
Auf dem Essener Messegelände finden aktuell vom 22. bis 25. September 2026 erstmals zwei große Sicherheitsmessen gleichzeitig statt: die etablierte Security Essen und die neue EURO DEFENCE EXPO, kurz EUDEX.
Diese Verbindung ist mehr als eine organisatorische Entscheidung. Sie zeigt, wie sehr sich unser Verständnis von Sicherheit verändert hat. Gebäudesicherheit, Cybersecurity, Bevölkerungsschutz, Krisenvorsorge und militärische Verteidigung lassen sich heute nicht mehr klar voneinander trennen.
Zwei Messen mit unterschiedlichen Schwerpunkten
Die Security Essen ist eine internationale Fachmesse für zivile Sicherheit. 519 Aussteller aus 41 Ländern präsentieren auf rund 40.000 Quadratmetern Lösungen für Zutrittskontrolle, Einbruch- und Brandmeldetechnik, Videoüberwachung, Perimeterschutz, Cybersecurity, Leitstellen, Sicherheitsdienstleistungen sowie Zivil- und Bevölkerungsschutz.
Parallel dazu feiert die EURO DEFENCE EXPO ihre Premiere. Dort stellen 359 Unternehmen aus 28 Ländern aus. Die Themen reichen von persönlicher Schutzausrüstung über Kommunikation, Logistik und ABC-Abwehr bis zu künstlicher Intelligenz, Drohnen, Robotik und unbemannten Fahrzeugen.

Während die Security Essen stärker den Schutz von Gebäuden, Unternehmen, öffentlichen Einrichtungen und Kritischen Infrastrukturen betrachtet, erweitert die EUDEX diesen Blick um Verteidigungsfähigkeit, militärische Anforderungen und die Zusammenarbeit zwischen staatlichen, zivilen und militärischen Akteuren.

Die Verbindung zwischen den beiden Messen wird auch räumlich sichtbar: Der Ausstellungsbereich für Zivil- und Bevölkerungsschutz befindet sich unmittelbar am Übergang zwischen der Security Essen und der EUDEX. Damit entsteht eine direkte Schnittstelle zwischen ziviler Sicherheitswirtschaft und Verteidigungsindustrie.
Sicherheit wird vernetzter
Ein zentrales Thema der Security Essen 2026 ist die vernetzte Sicherheit. Videoüberwachung, Zutrittskontrolle, Einbruchmeldetechnik, Perimeterschutz und weitere Sensoren werden zunehmend auf gemeinsamen Plattformen zusammengeführt.
Dadurch erhält eine Sicherheitsleitstelle nicht mehr nur einzelne Meldungen. Sie kann im besten Fall ein vollständigeres Lagebild erstellen. Erkennt beispielsweise eine Kamera eine ungewöhnliche Bewegung am Zaun, können gleichzeitig weitere Informationen eingebunden werden:
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Hat eine Person eine gültige Zutrittsberechtigung?
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Wurde eine Tür oder ein Tor geöffnet?
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Gibt es weitere Bewegungen auf dem Gelände?
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Liegt eine Störung oder Sabotage vor?
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Welche Mitarbeiter oder Einsatzkräfte befinden sich in der Nähe?
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Welche Maßnahmen sollen automatisch oder manuell ausgelöst werden?
Künstliche Intelligenz kann dabei helfen, große Datenmengen auszuwerten und auffällige Ereignisse schneller zu erkennen. Sie kann Menschen, Fahrzeuge oder andere Objekte unterscheiden und die Zahl der Meldungen reduzieren, die durch das Sicherheitspersonal geprüft werden müssen.
Die Entscheidung über eine konkrete Maßnahme bleibt dennoch eine organisatorische Aufgabe. Technik kann unterstützen – Verantwortung übernimmt sie nicht.
Physische und digitale Sicherheit wachsen zusammen
Eine weitere Entwicklung wird auf der Security Essen besonders deutlich: Klassische Sicherheitstechnik ist heute fast immer auch IT-Technik.
Kameras, Zutrittsleser, Alarmanlagen, Gebäudeleittechnik und Leitstellensysteme sind miteinander vernetzt. Das ermöglicht eine schnellere Auswertung und standortübergreifende Steuerung. Gleichzeitig entstehen neue Abhängigkeiten.
Wenn ein Zutrittskontrollsystem über das Unternehmensnetzwerk gesteuert wird, ist dessen Verfügbarkeit auch von der IT-Sicherheit abhängig. Wird das Netzwerk angegriffen oder fällt die Kommunikation aus, kann dies unmittelbar Auswirkungen auf Türen, Schleusen, Aufzüge oder Alarmierungswege haben.

Deshalb dürfen Gebäudesicherheit und Cybersecurity nicht länger in getrennten Abteilungen geplant werden. Physische Sicherheit, Informationstechnik und Betriebstechnik müssen abgestimmt zusammenarbeiten. Das gilt besonders für Kritische Infrastrukturen, bei denen sich einzelne Störungen schnell gegenseitig verstärken können.
Drohnen verändern den Objektschutz
Drohnen sind auf beiden Messen ein wichtiges Thema. Sie können zur Lageerkundung, Überwachung, Vermessung oder Unterstützung von Einsatzkräften eingesetzt werden. Gleichzeitig können sie selbst zur Bedrohung werden.
Eine kleine Drohne kann Sicherheitsbereiche überfliegen, Gebäude und technische Anlagen fotografieren oder Betriebsabläufe beobachten. Denkbar ist auch der Transport kleiner Gegenstände oder gefährlicher Stoffe.
Der klassische Zaun bildet gegen diese Gefahr keine wirksame Grenze. Der Perimeterschutz muss deshalb künftig nicht nur in der Fläche, sondern auch im Luftraum gedacht werden.
Radar, Funkfrequenzerkennung, Kameras, akustische Sensoren und Wärmebildtechnik können zur Drohnenerkennung kombiniert werden. Für zivile Betreiber ist jedoch wichtig: Das Erkennen und Beobachten einer Drohne ist das eine. Aktive Gegenmaßnahmen unterliegen engen rechtlichen Grenzen.
Auch hier zeigt sich, dass eine technische Detektion nur der erste Schritt ist. Es muss zusätzlich geregelt werden:
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Wer bewertet die Meldung?
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Ab wann liegt ein sicherheitsrelevanter Vorfall vor?
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Wer wird intern informiert?
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Wann werden Polizei oder andere Behörden eingeschaltet?
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Welche Bereiche müssen geschützt oder geräumt werden?
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Wie wird der Vorfall dokumentiert?
Ohne solche Abläufe bleibt selbst eine hochwertige Detektion nur ein blinkender Punkt auf einem Bildschirm.
KRITIS-Schutz als gemeinsame Aufgabe
Der Schutz Kritischer Infrastrukturen bildet eine wichtige Verbindung zwischen der Security Essen und der EURO DEFENCE EXPO.
Energieversorgung, Wasser, Gesundheitswesen, Verkehr, Kommunikation und staatliche Einrichtungen müssen auch unter schwierigen Bedingungen funktionieren. Dabei reicht es nicht aus, einzelne Gebäude oder technische Anlagen zu schützen.
Stromausfall, Sabotage, Cyberangriff und Kommunikationsstörung können gleichzeitig auftreten und sich gegenseitig verstärken. Deshalb rückt neben der Prävention zunehmend die Frage in den Mittelpunkt, wie wichtige Leistungen während einer Störung aufrechterhalten und anschließend wiederhergestellt werden können.
Die Security Essen zeigt hierzu Lösungen für Perimeterschutz, Zutritt und Identitätsprüfung, Detektion, Leitstellen, Cyber- und OT-Sicherheit, Alarmierung und Krisenmanagement. Das begleitende KRITIS-Forum beschäftigt sich außerdem mit der Verbindung von physischer Sicherheit, Cybersecurity und betrieblicher Technik.
Die EURO DEFENCE EXPO ergänzt diese Betrachtung um die Zusammenarbeit mit Streitkräften, Behörden, Hilfsorganisationen und Forschungseinrichtungen. Dabei geht es unter anderem um Logistik, Kommunikation, ABC-Abwehr, Krisenreaktion und die Widerstandsfähigkeit staatlicher und gesellschaftlicher Strukturen.
Gesundheitsversorgung im Krisenfall
Besonders relevant ist die Frage, wie die Gesundheitsversorgung in größeren Krisenlagen aufrechterhalten werden kann. Im Fachprogramm der EUDEX wird dieses Thema unter der Überschrift „Resilienz im Ernstfall – Gesundheitsversorgung, Wehrmedizin und Krisenreaktion im Schulterschluss“ behandelt. Beteiligt sind unter anderem das Universitätsklinikum Essen und das Kommando Gesundheitsversorgung der Bundeswehr.
Krankenhäuser sind in besonderem Maß von funktionierenden Versorgungs- und Kommunikationswegen abhängig. Strom, Wasser, medizinische Gase, IT, Arzneimittel, Medizintechnik, Personal und sichere Zufahrten müssen gleichzeitig verfügbar sein.
Ein Notstromaggregat allein macht ein Krankenhaus daher noch nicht resilient. Es muss ebenso geklärt sein:
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Welche Bereiche tatsächlich mit Notstrom versorgt werden,
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wie lange die Kraftstoffvorräte reichen,
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welche technischen Anlagen bei einem längeren Ausfall betrieben werden können,
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wie Patienten und Personal geschützt werden,
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welche Ersatzverfahren bei einem Ausfall der IT bestehen,
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und wie die Kommunikation mit Behörden und Einsatzorganisationen funktioniert.
Gerade im Gesundheitswesen zeigt sich, dass Resilienz keine einzelne technische Maßnahme ist. Sie ist das Ergebnis vieler aufeinander abgestimmter Entscheidungen.
Das Sicherheitsbedürfnis nimmt zu
Dass Sicherheit nicht nur ein Thema für Fachleute ist, zeigt der auf der Security Essen vorgestellte Security Monitor 2026. Für die gemeinsame Studie von VDMA, VdS und Messe Essen wurden 4.000 Bürger sowie 1.000 Unternehmensvertreter befragt.
Danach geben 78 Prozent der Befragten an, ein starkes Sicherheitsbedürfnis zu haben. Gleichzeitig bestehen erhebliche Zweifel, ob Kritische Infrastrukturen ausreichend geschützt sind.
Dieses Ergebnis überrascht kaum. Die Bevölkerung erlebt täglich Berichte über Cyberangriffe, Sabotage, Drohnensichtungen, Ausfälle und internationale Konflikte. Sicherheit wird daher immer stärker als Voraussetzung für einen funktionierenden Alltag wahrgenommen.
Was Betreiber aus beiden Messen mitnehmen sollten
Die zahlreichen technischen Lösungen in Essen sind beeindruckend. Trotzdem sollte die Planung nicht mit der Auswahl eines Produktes beginnen.
Am Anfang müssen der Schutzbedarf, die kritischen Prozesse und die konkreten Schutzziele stehen. Erst danach kann entschieden werden, welche baulichen, technischen, elektronischen und organisatorischen Maßnahmen erforderlich sind.
Für Betreiber ergeben sich daraus fünf zentrale Aufgaben:
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Kritische Leistungen, Bereiche und Abhängigkeiten bestimmen.
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Risiken und mögliche Kaskaden- oder Dominoeffekte bewerten.
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Bauliche, technische, digitale und organisatorische Maßnahmen aufeinander abstimmen.
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Zuständigkeiten, Alarmierung, Intervention und Eskalation eindeutig festlegen.
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Notfallverfahren gemeinsam mit internen und externen Beteiligten regelmäßig üben.
Mein Fazit aus Essen
Die gleichzeitige Durchführung von Security Essen und EURO DEFENCE EXPO ist ein deutliches Zeichen für ein verändertes Sicherheitsverständnis.
Zivile Sicherheit, Unternehmenssicherheit, Bevölkerungsschutz und Verteidigung haben unterschiedliche Aufgaben. Sie treffen jedoch an vielen Stellen auf dieselben Herausforderungen: Kritische Infrastrukturen, Energieversorgung, Kommunikation, Gesundheitsversorgung, Logistik und staatliche Handlungsfähigkeit.
Moderne Technologien können einen wichtigen Beitrag leisten. Entscheidend bleibt aber das Sicherheitskonzept, in das sie eingebunden werden.
Sicherheit entsteht nicht durch möglichst viele einzelne Systeme. Sie entsteht, wenn Menschen, Technik, Gebäude, Prozesse und Verantwortlichkeiten auch unter schwierigen Bedingungen zusammenwirken.
Die beiden Messen zeigen, was technisch möglich ist. Ob daraus tatsächlich mehr Sicherheit und Resilienz entstehen, entscheidet sich anschließend im täglichen Betrieb.